, Beschluss vom 06.06.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr .77/2019 vom 06.06.2019

Bun­des­ge­richts­hof hebt zwei­tes Urteil zum töd­lich ver­lau­fen­den Über­fall auf einem Auto­bahn­park­platz bezüg­lich drei­er Ange­klag­ter auf die Revi­sio­nen der Neben­klä­ger teil­wei­se auf

Urteil vom 6. Juni 2019 – 4 StR 541/18

Das Land­ge­richt Des­sau-Roß­lau hat­te die drei litaui­schen Ange­klag­ten im ers­ten Rechts­gang unter ande­rem wegen erpres­se­ri­schen Men­schen­rau­bes in Tat­ein­heit mit Raub (jeweils mit Todes­fol­ge) zu Frei­heits­stra­fen von zwölf Jah­ren und zwei Mona­ten bzw. elf Jah­ren und zwei Mona­ten ver­ur­teilt. Auf die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten und der Neben­klä­ger hat­te der 4. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs das Urteil über­wie­gend auf­ge­ho­ben und die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen – inso­weit wird auf die Pres­ser­klä­rung vom 14. Janu­ar 2016 (Nr. 6/2016) ver­wie­sen.

Im zwei­ten Rechts­gang hat das Land­ge­richt die drei Ange­klag­ten nun­mehr auch wegen ver­such­ten Tot­schlags – in Tat­ein­heit unter ande­rem mit erpres­se­ri­schem Men­sch­raub, Raub und gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung – schul­dig gespro­chen und zu Frei­heits­stra­fen von zehn Jah­ren und drei Mona­ten, acht Jah­ren und neun Mona­ten sowie acht Jah­ren und sechs Mona­ten ver­ur­teilt. Der 4. Straf­se­nat hat über die Revi­sio­nen der Neben­klä­ger ver­han­delt, die mit ihren Rechts­mit­teln unter ande­rem bean­stan­det haben, dass die Ange­klag­ten nicht auch wegen (voll­ende­ten) Mor­des ver­ur­teilt wor­den sind.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts über­wäl­tig­ten die drei Ange­klag­ten – zusam­men mit zwei bereits rechts­kräf­tig abge­ur­teil­ten Mit­tä­tern – in den spä­ten Abend­stun­den des 9. Janu­ar 2012 den zufäl­lig als Tat­op­fer aus­ge­wähl­ten Geschä­dig­ten, nach­dem die­ser mit sei­nem Klein­trans­por­ter auf einem an der A 9 gele­ge­nen Park­platz ange­hal­ten hat­te. Die Täter­grup­pe ver­brach­te den Geschä­dig­ten auf einen in einem Wald­stück gele­ge­nen Lager­platz, wo man ihm meh­re­re Kre­dit­kar­ten abnahm und ihn zur Preis­ga­be der zuge­hö­ri­gen PIN zwang. Die zwei recht­kräf­tig ver­ur­teil­ten Mit­tä­ter bega­ben sich sodann zu ver­schie­de­nen Bank­fi­lia­len und hoben Geld von den Kon­ten des Geschä­dig­ten ab.

Nicht aus­schließ­bar wäh­rend der Abwe­sen­heit der rechts­kräf­tig ver­ur­teil­ten Mit­tä­ter kam es auf dem Lager­platz zu mas­si­ven Gewalt­ein­wir­kun­gen auf den Geschä­dig­ten, wobei die­ser schwe­re inne­re Ver­let­zun­gen erlitt. Die schwe­ren Gewalt­hand­lun­gen konn­te die Straf­kam­mer weder einem der Ange­klag­ten zuord­nen noch konn­te sie Fest­stel­lun­gen dazu tref­fen, aus wel­chem Beweg­grund es zu dem Gewalt­aus­bruch kam. Fest­ge­stellt hat das Land­ge­richt ledig­lich, dass die drei auf dem Lager­platz ver­blie­be­nen Ange­klag­ten die mas­si­ven Ver­let­zungs­hand­lun­gen wahr­nah­men. Im Anschluss an die Gewalt­hand­lun­gen fes­sel­ten die Ange­klag­ten das schwer ver­letz­te Tat­op­fer und ver­brach­ten es im Lade­raum sei­nes Trans­por­ters an eine etwa 200 Meter von der Stra­ße ent­fernt gele­ge­ne Stel­le im Wald. Hier lie­ßen die Ange­klag­ten den Geschä­dig­ten in sei­nem Trans­por­ter zurück, wobei sie des­sen Tod bil­li­gend in Kauf nah­men. Die Ange­klag­ten woll­ten ein Auf­fin­den des Tat­op­fers erschwe­ren und der Täter­grup­pe Zeit für die Aus­rei­se nach Litau­en ver­schaf­fen. Das Tat­op­fer erlag sei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen. Sein Tod wäre auch bei sofor­ti­ger medi­zi­ni­scher Behand­lung nicht zu ver­hin­dern gewe­sen.

Der 4. Straf­se­nat hat auf die Revi­sio­nen der Neben­klä­ger die­ses Urteil teil­wei­se auf­ge­ho­ben und die Sache zu neu­er Ver­hand­lung an das Land­ge­richt Mag­de­burg zurück­ver­wie­sen. Der Senat hat die Ableh­nung des Mord­merk­mals der Ver­de­ckungs­ab­sicht bean­stan­det, da sich das Land­ge­richt nur unzu­rei­chend mit der Moti­va­ti­on der Ange­klag­ten bei Zurück­las­sen des Tat­op­fers im Wald aus­ein­an­der­ge­setzt hat. Weil der Senat die rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen des ange­foch­te­nen Urteils auf­recht erhal­ten konn­te, wird sich das Land­ge­richt im drit­ten Rechts­gang im Wesent­li­chen nur noch mit der Fra­ge des Vor­lie­gens eines Mord­merk­mals zu befas­sen haben.

Soweit die Ange­klag­ten selbst und die Neben­klä­ger bezüg­lich eines wei­te­ren – nicht wegen eines Tötungs­de­lik­tes ver­ur­teil­ten – Ange­klag­ten Revi­si­on ein­ge­legt hat­ten, hat der Senat die­se Rechts­mit­tel im Beschluss­we­ge ver­wor­fen.

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Des­sau-Roß­lau – Urteil vom 7. Dezem­ber 2017 – 1 Ks (115 Js 4512/12)

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2019&Sort=3&nr=96397&pos=0&anz=77