BGH, Beschluss vom 09.11.2022, AZ 5 StR 302/22

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 156/2022, vom 09.11.2022

Ber­li­ner Urteil gegen den “Kan­ni­ba­len von Pan­kow” rechtskräftig

Beschluss vom 24. Okto­ber 2022 – 5 StR 302/22

Der in Leip­zig ansäs­si­ge 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­si­on des Ange­klag­ten gegen ein Urteil des Land­ge­richts Ber­lin ver­wor­fen. Das Land­ge­richt hat ihn wegen Mor­des und Stö­rung der Toten­ru­he zu einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe als Gesamt­stra­fe ver­ur­teilt und die beson­de­re Schwe­re der Schuld festgestellt.

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen ver­ab­re­de­ten sich der Ange­klag­te und der Geschä­dig­te am frü­hen Mor­gen des 6. Sep­tem­ber 2020 zu einem Sex­tref­fen in der Woh­nung des Ange­klag­ten in Ber­lin-Pan­kow. Dort nahm der Geschä­dig­te frei­wil­lig ein Getränk mit der bewusst­seinstrü­ben­den Sub­stanz GBL zu sich, mit einem Angriff auf sei­nen Kör­per oder sein Leben rech­ne­te er nicht. Tat­säch­lich aber füg­te der Ange­klag­te dem wehr­lo­sen Geschä­dig­ten unver­mit­telt mit einem bis dahin ver­bor­ge­nen Mes­ser eine mas­si­ve Gefäß­ver­let­zung zu. Wie vom Ange­klag­ten beab­sich­tigt, starb der Geschä­dig­te auf­grund des gro­ßen Blut­ver­lusts inner­halb kur­zer Zeit. Ent­spre­chend sei­nem anfäng­li­chen Plan trenn­te der Ange­klag­te in sexu­el­ler Erre­gung dem Getö­te­ten den Penis ab, öff­ne­te den Hoden­sack und ent­fern­te die Hoden in der Absicht, sie zu ver­spei­sen. Der Ange­klag­te zer­teil­te die Lei­che und ver­steck­te in den Fol­ge­ta­gen Tor­so, Schä­del und Bei­ne an ver­schie­de­nen Stel­len in sei­nem Wohnumfeld.

Recht­lich hat das Land­ge­richt die Tat als Mord bewer­tet und die Mord­merk­ma­le einer heim­tü­cki­schen Tötung zur Befrie­di­gung des Geschlechts­triebs und zur Ermög­li­chung einer ande­ren Straf­tat, näm­lich der nach­fol­gen­den Stö­rung der Toten­ru­he, als erfüllt angesehen.

Die Über­prü­fung des Urteils hat kei­nen Rechts­feh­ler zum Nach­teil des Ange­klag­ten erge­ben. Auch sei­ne Ver­fah­rens­be­an­stan­dun­gen blie­ben ohne Erfolg. Das Urteil des Land­ge­richts Ber­lin ist daher rechtskräftig.

Vor­in­stanz:
LG Ber­lin – Urteil vom 7. Janu­ar 2022 – (532 Ks) 278 Js 298/20 (5/21)

Die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten lauten:

§ 211 StGB Mord
(1) Der Mör­der wird mit lebens­lan­ger Frei­heits­stra­fe bestraft.
(2) Mör­der ist, wer
(…) zur Befrie­di­gung des Geschlechts­triebs, (…) heim­tü­ckisch (…) oder um eine ande­re Straf­tat zu ermög­li­chen, einen Men­schen tötet.

§ 168 StGB Stö­rung der Totenruhe
(1) Wer unbe­fugt aus dem Gewahr­sam des Berech­tig­ten den Kör­per oder Tei­le des Kör­pers eines ver­stor­be­nen Men­schen weg­nimmt oder wer dar­an beschimp­fen­den Unfug ver­übt, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe bestraft.

§ 57a StGB Aus­set­zung des Straf­res­tes bei lebens­lan­ger Freiheitsstrafe
(1) Das Gericht setzt die Voll­stre­ckung des Res­tes einer lebens­lan­gen Frei­heits­stra­fe zur Bewäh­rung aus, wenn
1. fünf­zehn Jah­re der Stra­fe ver­büßt sind,
2. nicht die beson­de­re Schwe­re der Schuld des Ver­ur­teil­ten die wei­te­re Voll­stre­ckung gebie­tet und
3. die Vor­aus­set­zun­gen des § 57 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und 3 vorliegen. 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/recht…