BGH, Beschluss vom 22.12.2020, AZ 1 StR 165/19

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hof, Nr. 165/2020, vom 22.12.2020

Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt Frei­sprü­che von Beam­ten des Baye­ri­schen Lan­des­kri­mi­nal­amts vom Vor­wurf der Straf­ver­ei­te­lung im Amt 

Urteil vom 22. Dezem­ber 2020 – 1 StR 165/19

Die Staats­an­walt­schaft hat­te zwei von sechs ange­klag­ten Kri­mi­nal­be­am­ten des BLKA, einem “Füh­rungs­be­am­ten” und sei­nem Vor­ge­setz­ten, vor­ge­wor­fen, sich an einem Dieb­stahl betei­ligt zu haben: Sie hät­ten einen in einer Rocker­grup­pie­rung ein­ge­setz­ten “V‑Mann”, der kein Poli­zei­be­am­ter war, ange­wie­sen, Mit­glie­der die­ser Grup­pie­rung nach Däne­mark zu beglei­ten, obwohl dort Bag­ger gestoh­len wer­den soll­ten. Die wei­te­ren ange­klag­ten Beam­ten sol­len in der Fol­ge­zeit hier­von Kennt­nis erlangt, es gleich­wohl aber unter­las­sen haben, Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen ihre Kol­le­gen und die Die­be ein­ge­lei­tet bzw. geför­dert zu haben. Zudem hat­te die Ankla­ge dem Füh­rungs­be­am­ten und sei­nem Ver­tre­ter zu Last gelegt, in einem spä­ter gegen den V‑Mann wegen ande­rer Delik­te geführ­ten Straf­ver­fah­ren als Zeu­gen unwah­re Anga­ben über ihr Wis­sen um die Dieb­stahls­fahrt gemacht zu haben. 

Das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth hat die Ange­klag­ten vom Vor­wurf des Dieb­stahls in mit­tel­ba­rer Täter­schaft und der Straf­ver­ei­te­lung im Amt aus tat­säch­li­chen Grün­den frei­ge­spro­chen. Der Füh­rungs­be­am­te habe durch wei­te­re ver­deck­te Maß­nah­men dem Ver­schwin­den der Bag­ger vor­ge­beugt. Tat­säch­lich wur­den die Maschi­nen in Deutsch­land sicher­ge­stellt, der V‑Mann, der ent­ge­gen der Anwei­sung einen LKW steu­er­te, kurz­zei­tig fest­ge­nom­men. Alle Beam­ten hät­ten den V‑Mann für straf­los gehalten. 

Hin­ge­gen hat sich das Land­ge­richt davon über­zeugt, dass der Füh­rungs­be­am­te in drei Fäl­len und sein Ver­tre­ter gegen­über dem Gericht falsch aus­sag­ten. Des­we­gen hat das Land­ge­richt sie zu Bewäh­rungs­stra­fen von deut­lich unter einem Jahr verurteilt. 

Die Revi­sio­nen der Staats­an­walt­schaft, die sich gegen alle sechs Beam­te allein wegen vor­ge­wor­fe­ner Straf­ver­ei­te­lun­gen nach dem Auf­griff des V‑Mannes rich­te­ten, hat der Bun­des­ge­richts­hof als unbe­grün­det ver­wor­fen. Das ange­foch­te­ne Urteil ent­hält inso­weit kei­nen Rechts­feh­ler. Die land­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen bele­gen, dass die Kri­mi­nal­be­am­ten davon aus­ge­hen durf­ten, der V‑Mann habe sich nicht straf­bar gemacht. Denn auch die­ser nahm an, die Bag­ger wür­den ohne­hin sicher­ge­stellt. Die an der Dieb­stahls­fahrt betei­lig­ten Mit­glie­der der Rocker­grup­pie­rung mach­ten die Ange­klag­ten nam­haft; die­se Mit­glie­der sind mitt­ler­wei­le in ande­ren Ver­fah­ren rechts­kräf­tig verurteilt. 

Die Frei­sprü­che sind damit rechtskräftig. 

Die Revi­sio­nen der bei­den wegen fal­scher uneid­li­cher Aus­sa­ge ver­ur­teil­ten Ange­klag­ten füh­ren hin­ge­gen zur Auf­he­bung der Ent­schei­dung. Denn die Beweis­wür­di­gung durch das Land­ge­richt ist in Tei­len nicht frei von Wider­sprü­chen. In die­sem Umfang muss die Sache neu ver­han­delt wer­den. Bestand hat indes, dass der Füh­rungs­be­am­te der uneid­li­chen Falsch­aus­sa­ge in zwei Fäl­len schul­dig gespro­chen wor­den ist. 

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth – Urteil vom 27. Juli 2018 – 13 KLs 300 Js 12538/14

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