Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 11/2020 vom 22.01.2020

Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt Urteil des Land­ge­richts Ber­lin im Fall der Tötung des “Squeezer”-Sängers

Urteil vom 22. Janu­ar 2020 — 5 StR 407/19

Das Land­ge­richt Ber­lin hat die bei­den Ange­klag­ten wegen Tot­schlags in einem beson­ders schwe­ren Fall in Tat­ein­heit mit beson­ders schwe­rem sexu­el­len Miss­brauch einer wider­stands­un­fä­hi­gen Per­son zu Frei­heits­stra­fen von drei­zehn und vier­zehn Jah­ren ver­ur­teilt.

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen töte­ten die stark alko­ho­li­sier­ten und daher in ihrer Steue­rungs­fä­hig­keit erheb­lich ein­ge­schränk­ten Ange­klag­ten den als “Squeezer”-Sänger bekann­ten Musi­ker und Mode­ra­tor Jim R. im Janu­ar 2016 in einem Ber­li­ner Hos­tel mit bru­ta­len Schlä­gen und Trit­ten. Tat­mo­tiv waren Wut und Empö­rung der Ange­klag­ten dar­über, dass ihnen ihr Zim­mer­ge­nos­se sexu­el­le Avan­cen gemacht hat­te.

Der 5. (Leip­zi­ger) Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten, der Staats­an­walt­schaft und der Neben­klä­ge­rin­nen ver­wor­fen, weil die Über­prü­fung des Urteils kei­nen durch­grei­fen­den Rechts­feh­ler erge­ben hat. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Bewer­tung der Tat als beson­ders schwe­ren Fall des Tot­schlags (§ 212 Abs. 2 StGB), für den das Gesetz die glei­che Stra­fe wie für Mord vor­sieht. Das Land­ge­richt hat inso­fern zulas­ten der Ange­klag­ten rechts­feh­ler­frei vor allem auf die bru­ta­le und ernied­ri­gen­de Pene­tra­ti­on des bewusst­lo­sen Opfers abge­stellt. Die Ver­nei­nung des Mor­des durch das Land­ge­richt unter dem Aspekt der nied­ri­gen Beweg­grün­de (§ 211 StGB) hat der 5. Straf­se­nat recht­lich eben­falls nicht bean­stan­det. Ins­be­son­de­re hat das Land­ge­richt bedacht, dass ein allein an die sexu­el­le Ori­en­tie­rung des Opfers anknüp­fen­des Motiv als nied­rig und die Tat damit als Mord zu bewer­ten sein kann. Nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts war dies aber nicht das Haupt­mo­tiv.

Das Urteil ist damit rechts­kräf­tig.

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Ber­lin — Urteil vom 6. Novem­ber 2018 – (522) 234 Js 31/16 KLs (7/18)

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