, Beschluss vom 15.08.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 107/2019 vom 15.08.2019

Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt Urteil gegen einen Anhän­ger
des soge­nann­ten “Isla­mi­schen Staats”

Beschluss vom 7. August 2019 – 3 StR 11/19

Das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen hat den Ange­klag­ten wegen Wer­bens um Unter­stüt­zer für eine aus­län­di­sche ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung in zwei Fäl­len, ver­such­ter Anstif­tung zum Ver­bre­chen des Tot­schlags sowie Kör­per­ver­let­zung zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt. Der für Staats­schutz­straf­sa­chen zustän­di­ge 3. Straf­se­nat hat die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Ange­klag­ten ver­wor­fen.

Nach den vom Ober­lan­des­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen war der Ange­klag­te, der aus Syri­en stamm­te und in Deutsch­land Medi­zin stu­dier­te, in den Jah­ren 2014 bis 2016 beken­nen­der Anhän­ger, aller­dings kein Mit­glied der ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung “Isla­mi­scher Staat” (IS). In die­sem Zeit­raum beging er die vier fol­gen­den Taten:

Der Ange­klag­te wirk­te mit Chat-Nach­rich­ten plan­mä­ßig auf zwei in Syri­en wohn­haf­te Män­ner dahin ein, sich vom IS für ein Selbst­mord­at­ten­tat bzw. einen Spreng­stoff­an­schlag ein­tei­len zu las­sen und sodann die Ope­ra­ti­on anhand der Vor­ga­ben der Orga­ni­sa­ti­on durch­zu­füh­ren. In bei­den Fäl­len war das Vor­ge­hen des Ange­klag­ten zwar nicht ohne Aus­sicht auf Erfolg. Die Chat-Part­ner kamen dem jewei­li­gen Ansin­nen indes letzt­lich nicht nach.

Fer­ner teil­te der Ange­klag­te einem wei­te­ren, in der Tür­kei auf­häl­ti­gen Chat-Part­ner mit, er habe Infor­ma­tio­nen über einen Taxi­fah­rer in der syri­schen Stadt Idlib. Die­sen bezeich­ne­te er mit Namen und Wohn­ge­biet; es han­del­te sich um den Vater sei­ner ehe­ma­li­gen Lebens­ge­fähr­tin. Der Ange­klag­te erklär­te, der Taxi­fah­rer wer­fe in Idlib SIM-Kar­ten als Peil­sen­der für Angrif­fe der syri­schen und rus­si­schen Luft­waf­fe aus. Die Stadt stand zu die­ser Zeit weit­ge­hend unter der gemein­sa­men Kon­trol­le der ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gun­gen “Jabhat al-Nus­ra” und “Ahrar al-Sham”. Wie vom Ange­klag­ten erbe­ten, lei­te­te der Chat-Part­ner die Infor­ma­tio­nen an den Lei­ter der “Exe­ku­tiv­kräf­te” der Stadt wei­ter. Der Ange­klag­te hielt es für wahr­schein­lich, dass der Vater sei­ner ehe­ma­li­gen Lebens­ge­fähr­tin dort tat­säch­lich häu­fig sol­che Peil­sen­der anbrin­ge und der Lei­ter der “Exe­ku­tiv­kräf­te” daher des­sen Tötung ver­an­las­sen wer­de. Der vom Ange­klag­ten Ver­däch­tig­te wur­de zwar in der Fol­ge­zeit von einer der Idlib beherr­schen­den Orga­ni­sa­tio­nen fest­ge­nom­men, jedoch nach kur­zer Zeit wie­der frei­ge­las­sen, nach­dem sei­ne Nach­barn für ihn güns­tig aus­ge­sagt hat­ten.

Schließ­lich schlug der Ange­klag­te in sei­ner Stu­den­ten­woh­nung dem sie­ben- oder acht­jäh­ri­gen Sohn sei­ner ehe­ma­li­gen Lebens­ge­fähr­tin mit einem läng­li­chen höl­zer­nen Gegen­stand auf den Bauch. Das Kind ver­spür­te dabei deut­li­che Schmer­zen. Der Ange­klag­te hat­te sei­nem Opfer zuvor erklärt, die Schlä­ge dien­ten der Abhär­tung und sei­en Teil eines Trai­nings als Vor­be­rei­tung auf eine künf­ti­ge Tätig­keit als Kämp­fer für den IS.

Der Ange­klag­te hat mit sei­ner Revi­si­on das Ver­fah­ren bean­stan­det und Rechts­feh­ler des ange­foch­te­nen Urteils gel­tend gemacht. Die Rügen sind ohne Erfolg geblie­ben. Das Urteil ist somit rechts­kräf­tig.

Vor­in­stanz:
OLG Mün­chen — 9 St 7/17 — Urteil vom 2. August 2018

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2019&Sort=3&nr=98578&pos=2&anz=109