Pres­se­mit­tei­lung des BGH, Nr. 67/2018 vom 03.04.2018

Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt Ver­ur­tei­lung einer Heb­am­me u.a. wegen mehr­fa­chen ver­such­ten Mor­des

Beschluss vom 22. März 2018 – 1 StR 412/17

Das Land­ge­richt Mün­chen I hat die Ange­klag­te wegen ver­such­ten Mor­des in sie­ben Fäl­len jeweils in Tat­ein­heit mit ver­schie­de­nen Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­ten zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von 15 Jah­ren ver­ur­teilt und gegen die ehe­ma­li­ge Heb­am­me ein lebens­lan­ges Berufs­ver­bot ver­hängt.

Nach den land­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen hat die Ange­klag­te, die als Heb­am­me in Kli­ni­ken in Hes­sen und Bay­ern tätig war, in der Mehr­zahl der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Fäl­le kurz vor der Ent­bin­dung durch Kai­ser­schnitt ste­hen­den Schwan­ge­ren heim­lich den die Blut­ge­rin­nung hem­men­den Wirk­stoff Hepa­rin ver­ab­reicht. Dadurch kam es im Anschluss an die ope­ra­ti­ve Geburt zu schwe­ren Blu­tun­gen bei den Geschä­dig­ten, die mit der Auf­he­bung der Blut­ge­rin­nung und mit kon­kre­ter Lebens­ge­fahr für die­se ein­her­gin­gen. Der Tod aller Geschä­dig­ten konn­te durch Not­fall­be­hand­lun­gen jeweils abge­wen­det wer­den. Die Ange­klag­te han­del­te, weil sie sich durch Vor­ge­setz­te in ihrer Arbeit nicht aus­rei­chend wert­ge­schätzt gefühlt hat­te.

Das Land­ge­richt hat die Taten wegen der die Geschä­dig­ten in einem Kran­ken­haus völ­lig unvor­be­rei­tet tref­fen­den Hand­lun­gen der Ange­klag­ten jeweils als ver­such­ten Mord unter Ver­wirk­li­chung des Mord­merk­mals der Heim­tü­cke sowie wegen der Moti­va­ti­on als aus nied­ri­gen Beweg­grün­den began­gen gewer­tet. Tat­ein­heit­lich hat die Ange­klag­te jeweils voll­ende­te gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zun­gen sowie teils ver­such­te, teils voll­ende­te schwe­re Kör­per­ver­let­zun­gen wegen des in Kauf genom­me­nen oder ein­ge­tre­te­nen Ver­lusts der Fort­pflan­zungs­fä­hig­keit der Geschä­dig­ten began­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das dage­gen gerich­te­te Rechts­mit­tel der Ange­klag­ten als unbe­grün­det ver­wor­fen, weil das ange­foch­te­ne Urteil des Land­ge­richts Mün­chen I kei­nen Rechts­feh­ler zum Nach­teil der Ange­klag­ten ent­hält. Das Ver­fah­ren ist damit rechts­kräf­tig abge­schlos­sen.

Vor­in­stanz:
LG Mün­chen I – Urteil vom 20. Okto­ber 2016 – 1 Ks 127 Js 165155/14

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=82246&pos=2&anz=69