BGH, Beschluss vom 01.06.2022, AZ 3 StR 89/22

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 76/2022, vom 01.06.2022

Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt Ver­ur­tei­lung einer IS-Rückkehrerin

Beschluss vom 3. Mai 2022 — 3 StR 89/22

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on einer nach Syri­en zur ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung “Isla­mi­scher Staat” aus­ge­reis­ten IS-Anhän­ge­rin gegen ihre Ver­ur­tei­lung durch das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main verworfen.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Ange­klag­te wegen mit­glied­schaft­li­cher Betei­li­gung an einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung im Aus­land in neun Fäl­len, davon in sechs Fäl­len in Tat­ein­heit mit einem Kriegs­ver­bre­chen gegen Eigen­tum oder sons­ti­ge Rech­te sowie in zwei wei­te­ren Fäl­len in Tat­ein­heit mit dem Erwerb der tat­säch­li­chen Gewalt über eine Kriegs­waf­fe ohne Geneh­mi­gung zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren verurteilt.

Nach den vom Ober­lan­des­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kon­ver­tier­te die Ange­klag­te 2009 zum Islam. Sie nahm in der Fol­ge­zeit eine radi­kal-isla­mis­ti­sche Grund­hal­tung ein und beweg­te sich in der sala­fis­ti­schen Sze­ne im Rhein-Main-Gebiet. Im Juni 2014 reis­te die damals 25 Jah­re alte Ange­klag­te mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten nach Syri­en aus, wo sich bei­de der ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung “Isla­mi­scher Staat” anschlos­sen. Wäh­rend ihr Part­ner für den IS als Kämp­fer tätig wur­de, führ­te die Ange­klag­te den gemein­sa­men Haus­halt und betei­lig­te sich an Chat­grup­pen, in denen in Deutsch­land befind­li­che Frau­en zu einem Anschluss an den IS moti­viert wur­den. Gemein­sam mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten bezog die Ange­klag­te wäh­rend ihres Auf­ent­hal­tes im Herr­schafts­ge­biet des IS in sechs Fäl­len Woh­nun­gen von Per­so­nen, die vor der Ver­ei­ni­gung geflo­hen waren, und nahm so Eigen­tum in Geg­ner­schaft zum IS ste­hen­der Per­so­nen in Besitz. Zudem erhielt sie von ihrem Lebens­ge­fähr­ten in zwei Fäl­len Maschi­nen­ge­weh­re “Kalasch­ni­kow AK 47”, die sie mit sich führ­te, um erfor­der­li­chen­falls Angrif­fe gegen sich oder den IS abzuwehren.

2016 ver­ließ die Ange­klag­te das IS-Gebiet und hielt sich bis zu ihrer Rück­kehr nach Deutsch­land im Okto­ber 2020 in einem der Herr­schaft der FSA unter­lie­gen­den Lan­des­teil Syri­ens auf. Wäh­rend die­ser Zeit ver­fass­te sie mit jour­na­lis­ti­scher Hil­fe das auto­bio­gra­fi­sche Buch “Maryam A.: Mein Leben im Kali­fat – Eine deut­sche IS-Aus­stei­ge­rin erzählt”.

Gegen das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main hat die Ange­klag­te Revi­si­on ein­ge­legt, mit der sie sach­lich­recht­li­che Män­gel gel­tend gemacht hat.

Die revi­si­ons­recht­li­che Über­prü­fung des Urteils durch den nach der Geschäfts­ver­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs für Staats­schutz­sa­chen zustän­di­gen 3. Straf­se­nat hat kei­nen Rechts­feh­ler erge­ben. Mit der Ent­schei­dung des Senats ist das Urteil rechtskräftig.

Vor­in­stanz:
OLG Frank­furt am Main 5 – 2 OJs 29/20 – 1/21 — Urteil vom 29. Okto­ber 2021

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