Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 53/2020, vom 08.05.2020

Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt Ver­ur­tei­lung wegen Tot­schlags beim Chem­nit­zer Stadt­fest

Beschluss vom 14. April 2020 — 5 StR 14/20

Das Land­ge­richt Chem­nitz hat den Ange­klag­ten wegen Tot­schlags und gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von neun Jah­ren und sechs Mona­ten ver­ur­teilt.

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen erstach der Ange­klag­te in der Nacht vom 25. auf den 26. August 2018 wäh­rend des Chem­nit­zer Stadt­fes­tes gemein­sam mit einem auf der Flucht befind­li­chen Mit­tä­ter einen ihm unbe­kann­ten Mann, der mit dem Mit­tä­ter zuvor in Streit gera­ten war. Anschlie­ßend ver­letz­te der Ange­klag­te einen wei­te­ren Geschä­dig­ten durch einen Mes­ser­stich in den Rücken.

Der 5. (Leip­zi­ger) Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­si­on des Ange­klag­ten ver­wor­fen. Die Über­prü­fung des Urteils auf Grund der Revi­si­ons­recht­fer­ti­gung hat kei­nen Rechts­feh­ler zum Nach­teil des Ange­klag­ten erge­ben.

Ins­be­son­de­re hat der Bun­des­ge­richts­hof die Beweis­wür­di­gung zu der zen­tra­len Fra­ge, ob der bestrei­ten­de Ange­klag­te der Täter war, als rechts­feh­ler­frei ange­se­hen. Die Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts dazu sind weder lücken­haft, noch unklar oder wider­sprüch­lich, sie ver­sto­ßen nicht gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­tes Erfah­rungs­wis­sen. Die Beweis­wür­di­gung ent­fernt sich auch nicht so weit von einer Tat­sa­chen­grund­la­ge, dass sich die gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen letzt­lich als rei­ne Ver­mu­tung erwei­sen. Das Land­ge­richt hat sei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung von der Täter­schaft des Ange­klag­ten viel­mehr auf eine Viel­zahl von inein­an­der­grei­fen­den Zeu­gen­aus­sa­gen und objek­ti­ven Befun­den gestützt, sich mit allen für und gegen den Ange­klag­ten spre­chen­den Gesichts­punk­ten beschäf­tigt und dar­aus nahe­lie­gen­de Schlüs­se gezo­gen.

Im Zusam­men­hang mit Ver­fah­rens­rügen hat der Bun­des­ge­richts­hof u.a. ent­schie­den, dass die Mit­glie­der des Gerichts im vor­lie­gen­den Fall nicht dazu ver­pflich­tet waren, von der Ver­tei­di­gung vor­ge­leg­te “Fra­gen­ka­ta­lo­ge” zur Erfor­schung etwai­ger sie betref­fen­der Befan­gen­heits­grün­de zu beant­wor­ten.

Die Ver­ur­tei­lung ist damit rechts­kräf­tig.

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Chem­nitz, Urteil vom 22. August 2019 – 1 Ks 210 Js 27835/18

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/recht…