Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hof, Nr. 4/2020, vom 09.01.2020

Bun­des­ge­richts­hof hebt den Frei­spruch im Fall Spring­mann auf und ver­wirft die Revi­si­on des ver­ur­teil­ten Ange­klag­ten

Urteil vom 9. Janu­ar 2020 — 3 StR 288/19

Das Land­ge­richt Wup­per­tal hat den Ange­klag­ten P. von dem Vor­wurf des — gemein­schaft­lich mit dem Ange­klag­ten S. began­ge­nen — zwei­fa­chen Mor­des aus tat­säch­li­chen Grün­den frei­ge­spro­chen. Den Ange­klag­ten S. hat es wegen Tot­schlags und Mor­des zu lebens­lan­ger Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt und die beson­de­re Schwe­re der Schuld fest­ge­stellt. Auf die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft hat der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs den Frei­spruch des Ange­klag­ten P. auf­ge­ho­ben, die Revi­si­on des Ange­klag­ten S. hat er ver­wor­fen.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts töte­te S. am 19. März 2017 im Wohn­haus sei­ner Groß­el­tern zunächst im Lau­fe eines Streit­ge­sprächs sei­nen Groß­va­ter und anschlie­ßend sei­ne Groß­mutter, um die zum Nach­teil sei­nes Groß­va­ters began­ge­ne Tat zu ver­de­cken. Davon, dass P., der sich zur Tat­zeit am Tat­ort auf­hielt, an den Taten von S. betei­ligt war, hat sich die Straf­kam­mer nicht zu über­zeu­gen ver­mocht. Sie hat es nicht als erwie­sen ange­se­hen, dass P. sich im Hin­blick auf eine etwai­ge Tat­be­tei­li­gung zum Wohn­haus der Groß­el­tern von S. bege­ben hat­te.

Der Ange­klag­te S. hat mit sei­ner Revi­si­on die Ver­let­zung for­mel­len und mate­ri­el­len Rechts gerügt. Die Über­prü­fung des Urteils durch den 3. Straf­se­nat hat indes kei­nen Rechts­feh­ler zu sei­nem Nach­teil erge­ben. Das Ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt ist bean­stan­dungs­frei geführt wor­den. Die Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten S. ist damit rechts­kräf­tig (Beschluss vom 8. Janu­ar 2020).

Die auf die Sach­rü­ge gestütz­te Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft gegen den Frei­spruch des Ange­klag­ten P. hat dem­ge­gen­über Erfolg. Die Straf­kam­mer ist im Rah­men der Beweis­wür­di­gung zu sei­nen Guns­ten von Annah­men aus­ge­gan­gen, für deren Vor­lie­gen das Beweis­ergeb­nis kei­ne tat­säch­li­chen Anhalts­punk­te erge­ben hat. Die Sache bedarf des­halb, soweit es die Tat­be­tei­li­gung von P. betrifft, neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung. Der 3. Straf­se­nat hat das Ver­fah­ren zu die­sem Zweck an eine Straf­kam­mer des Land­ge­richts Düs­sel­dorf zurück­ver­wie­sen (Urteil vom 9. Janu­ar 2020).

Urteil vom 9. Janu­ar 2020 (betrifft den Ange­klag­ten P.) und Beschluss vom 8. Janu­ar 2020 (betrifft den Ange­klag­ten S.) — 3 StR 288/19

Vor­in­stanz: LG Wup­per­tal — 25 Ks 45 Js 23/17 — 15/17 — Urteil vom 13. Novem­ber 2018

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