Zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren hat der 5. Straf­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf (Staats­schutz­se­nat) den als “Cyber-Dschi­ha­dis­ten” bekannt gewor­de­nen deut­schen und tune­si­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen Sab­ri B. A. (39) aus Köln ver­ur­teilt. Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt Dr. Kari­na Puder­bach-Deh­ne ver­kün­de­te das Urteil am 12. Juni 2020, dem 19. Haupt­ver­hand­lungs­tag (Akten­zei­chen III‑5 StS 6/19).

Schul­dig gemacht hat sich der Ange­klag­te der Unter­stüt­zung der ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung “Ahrar ash-Sham” in Syri­en in drei Fäl­len sowie des Wer­bens um Mit­glie­der oder Unter­stüt­zer für die aus­län­di­sche ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung “Isla­mi­scher Staat” (IS) in fünf Fällen:

Im Jahr 2014 unter­nahm er zwei Waren­trans­por­te von Deutsch­land über die Tür­kei nach Syri­en. Im Zusam­men­wir­ken mit Mir­za B. lie­fer­te er unter ande­rem mili­tä­ri­sche Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de, nament­lich min­des­tens zwei Nacht­sicht­ge­rä­te und min­des­tens zwei Minen­such­ge­rä­te sowie sie­ben Kampf­mes­ser und acht Kampf­schwer­ter. Außer­dem brach­te er Hilfs­gü­ter zur Unter­stüt­zung der Kämp­fer­fa­mi­li­en nach Syri­en. Schließ­lich ließ sich der Ange­klag­te in einem Lager der Ter­ror­ver­ei­ni­gung mili­tä­risch ausbilden.

Mit­glie­der oder Unter­stüt­zer für den “IS” warb der medi­al sehr prä­sen­te Sab­ri B., indem er in fünf Fäl­len über ver­schie­de­ne Platt­for­men und Inter­net­sei­ten Pro­pa­gan­da­vi­de­os ver­brei­te­te. Durch die­sen von ihm betrie­be­nen “Cyber-Dschi­ha­dis­mus” setz­te er aus Sicht des Senats die ab 2017 aktu­el­le Pro­pa­gan­das­tra­te­gie des “IS”, die die­ser ange­sichts sei­ner ter­ri­to­ria­len Ver­lus­te zuse­hends auf “sozia­le” Medi­en ver­legt hat­te, aktiv um.

Der Ange­klag­te pfleg­te seit spä­tes­tens Som­mer 2010 enge Kon­tak­te zur soge­nann­ten Sala­fis­ten­sze­ne, dar­un­ter zu Sven L. und Pierre V., und radi­ka­li­sier­te sich stark. Im Rah­men der Koran­ver­teil­ak­ti­on “LIES” betä­tig­te er sich unter ande­rem als Kame­ra­mann und film­te Ver­teil­stän­de und die hier­an Betei­lig­ten. Seit 2012 äußer­te er sich belei­di­gend und bedro­hend gegen­über Jour­na­lis­ten und einem Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten wegen deren angeb­lich anti­mus­li­mi­scher Hal­tung. Dem Innen­mi­nis­ter des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len teil­te er 2015 schrift­lich sei­ne Wut und sei­nen Hass “gegen die­ses Sys­tem” mit und bot an, gegen Zah­lung von 250.000 EUR end­gül­tig das Land zu verlassen.

Gegen das Urteil hat der Ange­klag­te Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof eingelegt.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weit…