BGH, Beschluss vom 29.10.2021, AZ 5 StR 443/19

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 198/2021, vom 29.10.2021

Revi­sio­nen der Ange­klag­ten im Dres­de­ner “Infi­nus-Ver­fah­ren” weit­ge­hend erfolglos 

Urteil vom 29. Okto­ber 2021 – 5 StR 443/19

Mit dem heu­ti­gen Urteil hat der Bun­des­ge­richts­hof die Revi­sio­nen sechs ehe­ma­li­ger Ver­ant­wort­li­cher der Infi­nus-Unter­neh­mens­grup­pe weit­ge­hend verworfen. 

Nach mehr als zwei­ein­halb Jah­ren und 167 Ver­hand­lungs­ta­gen hat­te das Land­ge­richt Dres­den am 9. Juli 2018 fünf der Ange­klag­ten wegen ban­den- und gewerbs­mä­ßi­gen Betru­ges in Tat­ein­heit mit Kapi­tal­an­la­ge­be­trug und einen Ange­klag­ten wegen Bei­hil­fe hier­zu zu Frei­heits­stra­fen zwi­schen vier Jah­ren sechs Mona­ten und acht Jah­ren ver­ur­teilt. Zudem hat­te es die Ein­zie­hung von Tat­erträ­gen in Höhe von ins­ge­samt mehr als 51 Mil­lio­nen Euro angeordnet. 

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen spie­gel­ten die Ange­klag­ten über ein Netz von Ver­mitt­lern meh­re­ren tau­send gut­gläu­bi­gen Anle­gern eine lukra­ti­ve Geld­an­la­ge auf der Grund­la­ge einer pro­spe­rie­ren­den Unter­neh­mung vor. Nach außen erzeug­ten sie den Anschein eines erfolg­rei­chen Dres­de­ner Wirt­schafts­un­ter­neh­mens, das sich mit dem Ankauf von Lebens­ver­si­che­run­gen befass­te. Die vor­geb­li­chen Gewin­ne waren jedoch ledig­lich das Ergeb­nis bilan­zi­el­ler Effek­te, die durch Innen­ge­schäf­te der ver­bun­de­nen Unter­neh­men erzeugt wur­den und letzt­lich nur auf dem Papier stan­den; tat­säch­lich mach­te die Unter­neh­mung Ver­lus­te. Um gleich­wohl den Ein­druck eines gewinn­träch­ti­gen Anla­ge­mo­dells zu erwe­cken und auf­recht­zu­er­hal­ten, waren die Ange­klag­ten auf einen ste­tig wach­sen­den Anle­ger­kreis ange­wie­sen. Sie betrie­ben daher ein “Schnee­ball­sys­tem”, bei dem die Gel­der neu ange­wor­be­ner Anle­ger ver­wen­det wur­den, um die Zins- und Rück­zah­lungs­an­sprü­che ande­rer Anle­ger zu befrie­di­gen. Irr­tums­be­dingt inves­tier­ten die geschä­dig­ten Anle­ger im Tat­zeit­raum ab dem Jahr 2011 rund 540 Mil­lio­nen Euro. Abzüg­lich der bis zur Ein­stel­lung des Geschäfts­be­triebs im Novem­ber 2013 geleis­te­ten Rück­zah­lun­gen ver­lo­ren die Anle­ger gut 290 Mil­lio­nen Euro. 

Mit ihren gegen das Urteil des Land­ge­richts Dres­den gerich­te­ten Revi­sio­nen haben die Ange­klag­ten die Ver­let­zung sach­li­chen Rechts gerügt und umfang­rei­che Ver­fah­rens­be­an­stan­dun­gen erho­ben. Über die Rechts­mit­tel hat der in Leip­zig ansäs­si­ge 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs am 11. Okto­ber 2021 ver­han­delt und mit Urteil vom heu­ti­gen Tag ent­schie­den. Danach sind die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten weit­ge­hend erfolg­los geblieben. 

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ledig­lich die tat­ein­heit­li­chen Ver­ur­tei­lun­gen wegen Kapi­tal­an­la­ge­be­tru­ges und Bei­hil­fe hier­zu sowie in gerin­gem Umfang die Ein­zie­hungs­ent­schei­dun­gen auf­ge­ho­ben. Zudem hat er betref­fend einen Ange­klag­ten den Straf­aus­spruch auf­ge­ho­ben, weil das Land­ge­richt eine Straf­mil­de­rung nach der soge­nann­ten Kron­zeu­gen­re­ge­lung (§ 46b StGB) nicht erör­tert hatte. 

Die Ver­ur­tei­lung der Ange­klag­ten wegen ban­den- und gewerbs­mä­ßi­gen Betru­ges und Bei­hil­fe hier­zu ist damit rechts­kräf­tig. Das Glei­che gilt für die gegen fünf der Ange­klag­ten ver­häng­ten Frei­heits­stra­fen. In Höhe von ins­ge­samt mehr als 50 Mil­lio­nen Euro ist auch die Anord­nung der Ein­zie­hung von Tat­erträ­gen rechts­kräf­tig. Im gerin­gen Umfang der Auf­he­bung hat der Bun­des­ge­richts­hof die Sache an eine ande­re Straf­kam­mer des Land­ge­richts Dres­den zurückverwiesen. 

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Dres­den — Urteil vom 9. Juli 2018 – 5 KLs 100 Js 7387/12

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