OLG Hamm, Beschluss vom 30.05.2022, AZ 5 RVs 124/21

Aus­ga­be: 04–05/2022

1) Das durch § 177 Abs. 1 StGB geschütz­te Selbst­be­stim­mungs­recht beinhal­tet das Recht zu ent­schei­den, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Rechts­guts­in­ha­ber mit einer sexu­el­len Hand­lung ein­ver­stan­den ist.(Anschluss an KG Ber­lin, Beschluss vom 27. Juli 2020 – (4) 161 Ss 48/20 (58/20) –, juris).

2) Das Ein­ver­ständ­nis mit dem vagi­na­len Geschlechts­ver­kehr kann unter die Bedin­gung gestellt wer­den, dass die­ser vor dem Samen­er­guss zu been­den ist. Setzt sich der Sexu­al­part­ner bewusst abspra­che­wid­rig über die­se vom Opfer gesetz­te Gren­ze hin­weg, stellt dies eine so erheb­li­che Abwei­chung vom kon­sen­tier­ten sexu­el­len Hand­lungs­ge­sche­hen dar, dass die sexu­el­le Hand­lung nicht mehr vom tat­be­stands­aus­schlie­ßen­den Ein­ver­ständ­nis gedeckt und damit regel­mä­ßig nach § 177 Abs. 1 StGB straf­bar ist.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/hamm/j2022/5…