BGH, Beschluss vom 13.07.2021, AZ 5 StR 185/21

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 131/2021, vom 13.07.2021

Urteil des Land­ge­richts Ham­burg wegen des Angriffs auf einen jüdi­schen Stu­den­ten vor einer Ham­bur­ger Syn­ago­ge am 4. Okto­ber 2020 rechtskräftig 

Beschluss vom 6. Juli 2021 – 5 StR 185/21

Das Land­ge­richt hat die Unter­brin­gung des heu­te 30 Jah­re alten Beschul­dig­ten in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus angeordnet. 

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen hat­te der Beschul­dig­te vor der Ham­bur­ger Syn­ago­ge Hohe Wei­de ver­sucht, einen Teil­neh­mer der dort statt­fin­den­den Fei­er des Jüdi­schen Laub­hüt­ten­fes­tes am 4. Okto­ber 2020 mit einem Spa­ten­schlag zu töten und ihm dabei eine poten­ti­ell lebens­ge­fähr­li­che Kopf­ver­let­zung zuge­fügt. Der Beschul­dig­te war infol­ge eines aku­ten Schubs einer bei ihm bestehen psy­chi­schen Erkran­kung nicht in der Lage, das Unrecht sei­nes Han­delns einzusehen. 

Der 5. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­si­on des Beschul­dig­ten am 6. Juli 2021 als unbe­grün­det ver­wor­fen, da die Über­prü­fung des Urteils kei­nen Rechts­feh­ler zu sei­nem Nach­teil erge­ben hat. Das Urteil ist damit rechtskräftig. 

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Ham­burg – Urteil vom 26. Febru­ar 2021 – 604 Ks 9/20

Maß­geb­li­che gesetz­li­che Bestimmungen: 

§ 63 StGBUn­ter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Krankenhaus 

Hat jemand eine rechts­wid­ri­ge Tat im Zustand der Schuld­un­fä­hig­keit (§ 20) oder der ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit (§ 21) began­gen, so ord­net das Gericht die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus an, wenn die Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Tat ergibt, dass von ihm infol­ge sei­nes Zustan­des erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich erheb­lich geschä­digt oder erheb­lich gefähr­det wer­den oder schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den ange­rich­tet wird, zu erwar­ten sind und er des­halb für die All­ge­mein­heit gefähr­lich ist… 

§ 20 StGB­Schuld­un­fä­hig­keit wegen see­li­scher Störungen 

Ohne Schuld han­delt, wer bei Bege­hung der Tat wegen einer krank­haf­ten see­li­schen Stö­rung, wegen einer tief­grei­fen­den Bewusst­seins­stö­rung oder wegen einer Intel­li­genz­min­de­rung oder einer schwe­ren ande­ren see­li­schen Stö­rung unfä­hig ist, das Unrecht der Tat ein­zu­se­hen oder nach die­ser Ein­sicht zu handeln. 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/recht…