BGH, Beschluss vom 27.07.2021, AZ 6 StR 334/20

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 145/2021, vom 27.07.2021

Urteil des Land­ge­richts Pots­dam wegen Untreue bei der Ver­wer­tung von Bran­den­bur­ger WGT-Mili­tär­lie­gen­schaft rechts­kräf­tig – Ora­ni­en­burg Alter Flug­platz Mitte 

Beschluss vom 16. Juni 2021 – 6 StR 334/20

Das Land­ge­richt hat die Ange­klag­ten wegen Untreue und Bei­hil­fe hier­zu ver­ur­teilt. Es hat Frei­heits­stra­fen, deren jewei­li­ge Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wur­de, sowie Geld­stra­fen verhängt. 

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen war der Haupt­an­ge­klag­te als Geschäfts­füh­rer, die übri­gen Ange­klag­ten als Geschäfts­füh­re­rin, Pro­ku­ris­tin und Grund­stücks­sach­be­ar­bei­te­rin bei einer ehe­mals lan­des­ei­ge­nen, als GmbH ver­fass­ten Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft beschäf­tigt. Die­se hat­te der Haupt­an­ge­klag­te im Jahr 2006 vom Land Bran­den­burg im Zuge der Pri­va­ti­sie­rung erwor­ben. Auf­ga­be der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft war es, als Geschäfts­be­sor­ge­rin für das Land Bran­den­burg ehe­mals durch Trup­pen der sowje­ti­schen West­grup­pen mili­tä­risch genutz­te, nun­mehr lan­des­ei­ge­ne Grund­stü­cke zu ver­mark­ten und zu verwerten. 

Ende 2009 ver­kauf­ten der Haupt­an­ge­klag­te und die Geschäfts­füh­re­rin eine etwa 65 Hekt­ar gro­ße uner­schlos­se­ne und kon­ta­mi­nier­te Teil­flä­che des vor­mals von den sowje­ti­schen Streit­kräf­ten genutz­ten alten Flug­plat­zes in Ora­ni­en­burg ent­ge­gen den Ver­pflich­tun­gen aus dem Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trag zum Preis von 205.000 Euro, obwohl hier­für ein Kauf­preis von min­des­tens 800.000 Euro erziel­bar gewe­sen wäre. Die übri­gen Ange­klag­ten unter­stütz­ten dies, indem sie die für die Zustim­mung des bran­den­bur­gi­schen Minis­te­ri­ums der Finan­zen not­wen­di­ge Wert­ermitt­lung zur Preis­fin­dung beein­fluss­ten. Käu­fe­rin war eine Pro­jekt­ge­sell­schaft, an der der Haupt­an­ge­klag­te wirt­schaft­lich maß­geb­lich betei­ligt war. Die Erwer­be­rin ver­kauf­te die Lie­gen­schaft in ent­wi­ckel­ten Teil­flä­chen gewinn­brin­gend wei­ter. Sie schloss unter ande­rem am 16. Dezem­ber 2009 mit einem Logis­tik­un­ter­neh­men einen Kauf­ver­trag über etwa 20 Hekt­ar bau­rei­fes Land zum Kauf­preis von ca. 5,6 Mil­lio­nen Euro. 

Der 6. Straf­se­nat hat die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten ver­wor­fen. Die erho­be­nen Ver­fah­rens­rü­gen blie­ben erfolg­los. Weder die tat­säch­li­che und recht­li­che Wür­di­gung noch die Rechts­fol­gen­ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts wei­sen durch­grei­fen­de Rechts­feh­ler auf. Das Urteil des Land­ge­richts Pots­dam ist damit rechtskräftig. 

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Pots­dam — Urteil vom 24. April 2020 – Az: 23 KLs 17/16

Die maß­geb­li­che Vor­schrift lautet: 

Straf­ge­setz­buch (StGB)
§ 266 Untreue
(1) Wer die ihm durch Gesetz, behörd­li­chen Auf­trag oder Rechts­ge­schäft ein­ge­räum­te Befug­nis, über frem­des Ver­mö­gen zu ver­fü­gen oder einen ande­ren zu ver­pflich­ten, miß­braucht oder die ihm kraft Geset­zes, behörd­li­chen Auf­trags, Rechts­ge­schäfts oder eines Treue­ver­hält­nis­ses oblie­gen­de Pflicht, frem­de Ver­mö­gens­in­ter­es­sen wahr­zu­neh­men, ver­letzt und dadurch dem, des­sen Ver­mö­gens­in­ter­es­sen er zu betreu­en hat, Nach­teil zufügt, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu fünf Jah­ren oder mit Geld­stra­fe bestraft. 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/recht…