BGH, Beschluss vom 20.07.2020, AZ 3 StR 547/19

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hof, Nr. 92/2020, vom 20.07.2020

Urteil des Land­ge­richts Wup­per­tal im Fall “Shariah Poli­ce” rechts­kräf­tig

Beschluss vom 29. April 2020 — 3 StR 547/19

Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­sio­nen sämt­li­cher sie­ben Ange­klag­ten gegen ihre Ver­ur­tei­lun­gen zu Geld­stra­fen wegen Ver­sto­ßes gegen das Uni­form­ver­bot nach § 3 Abs. 1, § 28 Ver­samm­lungs­ge­setz bzw. Bei­hil­fe hier­zu ver­wor­fen. Im ers­ten Rechts­gang hat­te er eine frei­spre­chen­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts Wup­per­tal mit Urteil vom 11. Janu­ar 2018 — 3 StR 427/17 — auf­ge­ho­ben und dort­hin zurück­ver­wie­sen.

Nach den nun­meh­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts nah­men die Ange­klag­ten an einem nächt­li­chen Rund­gang durch die Innen­stadt von Wup­per­tal-Elber­feld teil, um jun­ge Mus­li­me davon abzu­hal­ten, Spiel­hal­len, Bor­del­le oder Gast­stät­ten auf­zu­su­chen sowie Alko­hol zu kon­su­mie­ren und sie statt­des­sen zu einem Lebens­stil nach den Vor­stel­lun­gen des Korans sowie zum Besuch der Moschee zu bewe­gen. Um Auf­merk­sam­keit zu erre­gen, tru­gen eini­ge der Ange­klag­ten jeweils eine han­dels­üb­li­che oran­ge Warn­wes­te, die auf der Rück­sei­te mit der Auf­schrift “Shariah Poli­ce” ver­se­hen war.

Das Land­ge­richt hat die Teil­nah­me an dem Rund­gang zu Recht als einen Ver­stoß gegen das Uni­form­ver­bot ange­se­hen. Danach macht sich straf­bar, wer öffent­lich oder in einer Ver­samm­lung Uni­for­men, Uni­form­tei­le oder gleich­ar­ti­ge Klei­dungs­stü­cke als Aus­druck einer gemein­sa­men poli­ti­schen Gesin­nung trägt. Es hat dies im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass die von eini­gen der Ange­klag­ten getra­ge­nen Warn­wes­ten auf­grund der inso­weit gebo­te­nen Gesamt­schau der Tat­um­stän­de in der für einen Ver­stoß gegen das Uni­form­ver­bot erfor­der­li­chen Wei­se geeig­net waren, sug­ges­tiv-mili­tan­te, ein­schüch­tern­de Wir­kung gegen­über Drit­ten zu erzie­len.

Die Ange­klag­ten haben mit ihren Rechts­mit­teln die Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts gerügt und ins­be­son­de­re die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass eine Ver­ur­tei­lung die Fest­stel­lung eines kon­kre­ten Zusam­men­tref­fens mit der Ziel­grup­pe jun­ger Mus­li­me zuzu­rech­nen­den Per­so­nen vor­aus­ge­setzt hät­te.

Der 3. Straf­se­nat hat die Revi­sio­nen ver­wor­fen. Das Urteil des Land­ge­richts ent­hält kei­nen Rechts­feh­ler. Es war ins­be­son­de­re nicht gehal­ten, dem Umstand, dass der Ziel­grup­pe zuzu­rech­nen­de Per­so­nen tat­säch­lich nicht ange­trof­fen wor­den sind, im
Rah­men der Gesamt­be­trach­tung ange­sichts der Tat­um­stän­de im Übri­gen die ihm von den Revi­sio­nen zuge­dach­te Bedeu­tung bei­zu­mes­sen.

Das Urteil des Land­ge­richts ist damit rechts­kräf­tig.

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Wup­per­tal — Urteil vom 27. Mai 2019 — 50 Js 180/14 26 KLs 20/18

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