BGH, Beschluss vom 14.07.2022, AZ 6 StR 227/21

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 110/2022, vom 14.07.2022

Urteil wegen Ver­fül­lung der Ton­gru­be Vehlitz rechtskräftig

Urteil vom 14. Juli 2022 – 6 StR 227/21

Das Land­ge­richt Sten­dal hat die Ange­klag­ten E. und S. wegen uner­laub­ten Umgangs mit gefähr­li­chen Abfäl­len in Tat­ein­heit mit uner­laub­tem Betrei­ben von Anla­gen, den Ange­klag­ten K. wegen Bei­hil­fe hier­zu schul­dig gespro­chen. Den Ange­klag­ten R. hat es wegen uneid­li­cher Falsch­aus­sa­ge ver­ur­teilt und von der Bei­hil­fe zu den Taten von E. und S. – eben­so wie die Ange­klag­ten M. und Sch. – freigesprochen.

Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen ver­füll­ten die Ange­klag­ten E. und S. als Geschäfts­füh­rer und fak­ti­scher Geschäfts­füh­rer einer GmbH in den Jah­ren 2005 bis 2008 eine Ton­gru­be in Vehlitz mit etwa 900.000 Ton­nen haus­müll­ähn­li­cher Abfäl­le. Der Ange­klag­te K. unter­stütz­te dies als Ange­stell­ter eines Müll­ent­sor­gungs­un­ter­neh­mens. Der Ange­klag­te R., der Geschäfts­füh­rer eines an der Ver­fül­lung betei­lig­ten Unter­neh­mens war, sag­te vor einem Par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schuss des Lan­des Sach­sen-Anhalt zu sei­nem Kennt­nis­stand über die Art der Abfäl­le falsch aus. Das Land­ge­richt ver­moch­te sich nicht davon zu über­zeu­gen, dass die frei­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten die Geneh­mi­gungs­la­ge kannten.

Der 6. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­sio­nen der Staats­an­walt­schaft und der Ange­klag­ten ver­wor­fen. Das Urteil des Land­ge­richts Sten­dal ist damit rechtskräftig.

Vor­in­stanz:
Land­ge­richt Sten­dal – Urteil vom 16. März 2020 – 502 KLs 1/16

Aus­zug aus den Vor­schrif­ten des StGB:

§ 326 Uner­laub­ter Umgang mit Abfällen
(1) Wer unbe­fugt Abfäl­le, die
1. Gif­te oder Erre­ger von auf Men­schen oder Tie­re über­trag­ba­ren gemein­ge­fähr­li­chen Krank­hei­ten ent­hal­ten oder her­vor­brin­gen können,
… oder …
4. nach Art, Beschaf­fen­heit oder Men­ge geeig­net sind,
a) nach­hal­tig ein Gewäs­ser, die Luft oder den Boden zu ver­un­rei­ni­gen oder sonst nach­tei­lig zu verändern

außer­halb einer dafür zuge­las­se­nen Anla­ge oder unter wesent­li­cher Abwei­chung von einem vor­ge­schrie­be­nen oder zuge­las­se­nen Ver­fah­ren sam­melt, beför­dert, behan­delt, ver­wer­tet, lagert, abla­gert, ablässt, besei­tigt, han­delt, makelt oder sonst bewirt­schaf­tet, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu fünf Jah­ren oder mit Geld­stra­fe bestraft.

§ 327 Uner­laub­tes Betrei­ben von Anlagen
(2) Mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe wird bestraft, wer

3. eine Abfall­ent­sor­gungs­an­la­ge im Sin­ne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes

ohne die nach dem jewei­li­gen Gesetz erfor­der­li­che Geneh­mi­gung oder Plan­fest­stel­lung oder ent­ge­gen einer auf dem jewei­li­gen Gesetz beru­hen­den voll­zieh­ba­ren Unter­sa­gung betreibt. 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/recht…