BGH, Beschluss vom 22.03.2021, AZ 3 StR 26/21

Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs, Nr. 63/2021, vom 22.03.2021

Ver­ur­tei­lung der Wit­we eines bekann­ten Mit­glieds des “Isla­mi­schen Staa­tes” rechtskräftig 

Beschluss vom 9. März 2021 – 3 StR 26/21

Das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat die Ange­klag­te wegen Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung im Aus­land, Ver­let­zung der Für­sor­ge- und Erzie­hungs­pflicht, Aus­übung der tat­säch­li­chen Gewalt über Kriegs­waf­fen sowie Bei­hil­fe zu einem Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit (Ver­skla­vung) und Frei­heits­be­rau­bung zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von drei Jah­ren und sechs Mona­ten verurteilt. 

Nach den vom Ober­lan­des­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen reis­te die Ange­klag­te im Janu­ar 2015 mit ihren drei Kin­dern in die Tür­kei und von dort in Beglei­tung ihres dama­li­gen Ehe­manns in das vom “Isla­mi­schen Staat” (IS) beherrsch­te Rak­ka. Dort schlos­sen sie und ihr Mann sich dem IS an. Wäh­rend er eine mili­tä­ri­sche Aus­bil­dung absol­vier­te, war sie mit den Kin­dern zunächst in einem “Frau­en­haus” des IS unter­ge­bracht. Anschlie­ßend bezo­gen sie eine Woh­nung in Rak­ka. Vor Ort bestand für die Kin­der wäh­rend des gesam­ten Auf­ent­halts die kon­kre­te Gefahr, durch Luft­an­grif­fe ver­letzt oder getö­tet zu wer­den. Der Ehe­mann der Ange­klag­ten starb im März 2015 bei Kämp­fen. Nach Ablauf der Trau­er­zeit hei­ra­te­te sie im August 2015 nach isla­mi­schem Ritus das – inzwi­schen hoch­wahr­schein­lich eben­falls ver­stor­be­ne – bekann­te IS-Mit­glied Denis Cus­pert. Sie mach­te über sozia­le Medi­en sowie E‑Mail Wer­bung für ein Leben im “Kali­fat” und ermu­tig­te gleich­ge­sinn­te Frau­en in Deutsch­land dazu, in das Herr­schafts­ge­biet des IS aus­zu­rei­sen. Sie erzog ihre Kin­der im Sin­ne der IS-Ideo­lo­gie, ver­füg­te über eine eige­ne Pis­to­le und übte über einen kur­zen Zeit­raum die tat­säch­li­che Sach­herr­schaft über das Sturm­ge­wehr ihres Ehe­man­nes aus. Auf Bit­ten einer Bekann­ten nahm sie deren “Skla­vin”, ein 13-jäh­ri­ges, vom IS in der Sind­schar-Regi­on als Kriegs­beu­te ver­sklav­tes jesi­di­sches Mäd­chen, für meh­re­re Stun­den in ihrer Woh­nung auf, um auf sie auf­zu­pas­sen. Sie ver­ließ im April 2016 das Herr­schafts­ge­biet des IS und kehr­te Anfang Sep­tem­ber 2016 weni­ge Tage vor der Geburt ihrer jüngs­ten Toch­ter nach Deutsch­land zurück. 

Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­si­on der Ange­klag­ten ver­wor­fen, da die durch das Rechts­mit­tel ver­an­lass­te Über­prü­fung des Urteils kei­nen Rechts­feh­ler zum Nach­teil der Ange­klag­ten erge­ben hat. Das Urteil ist damit rechtskräftig. 

Vor­in­stanz:
Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Ham­burg — Urteil vom 2. Okto­ber 2020 — 3 St 1/20

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/recht…